Frühe Anwender von Industrie-4.0-Technologien, die einst als Visionäre galten, sind nun in der Lage, in der heutigen neuen Welt schnelle und messbare betriebliche Verbesserungen voranzutreiben. Inwiefern hat COVID-19 die Dringlichkeit von Innovation und Transformation in Geschäfts- und Betriebsmodellen erhöht, und wie können Unternehmen schnell auf den neuesten Stand kommen?
Bei einem kürzlich geführten Gespräch mit Experten aus der Fertigungs- und Produktionsbranche wurde deutlich, dass COVID-19 als Katalysator für eine rasche digitale Transformation wirkt. Wie haben sich die Prioritäten aufgrund der Pandemie verändert? Hat es aufgrund von COVID-19 eine Verlagerung bei den digitalen Bemühungen gegeben? Und welche Lehren lassen sich daraus ziehen?
In den letzten Monaten konnten wir beobachten, wie sich der Fokus der Unternehmen zunehmend von der Anpassung an die Anfangsphase der COVID-19-Pandemie hin zur Stabilisierung des Betriebs verlagert hat. Mittlerweile sind uns allen die Mitarbeiter an vorderster Front und die persönliche Schutzausrüstung (PSA) bestens bekannt.
Die Pandemie hat die Prioritäten der Unternehmen im Hinblick auf die digitale Transformation verändert. Unabhängig davon, in welcher Branche Sie tätig sind – ob Öl und Gas oder Konsumgüter (CPG) –, ist Sicherheit die eine übergeordnete Priorität, auf die sich COVID-19 branchenübergreifend drastisch ausgewirkt hat. Jeder in der Arbeitswelt hat ein gesteigertes Sicherheitsbewusstsein. Die Führung eines Unternehmens in einer Krise, in der es zeitweise zu Herausforderungen hinsichtlich der Sicherheit der Mitarbeiter kommen kann, ist eine zusätzliche Sorge, die es zu berücksichtigen gilt. Ganz gleich, ob Sie als Arbeiter in der Fertigung tätig sind oder von zu Hause aus arbeiten – die Gewährleistung der Sicherheit Ihrer Kollegen ist von entscheidender Bedeutung.
Zudem setzen viele Unternehmen aufgrund von COVID-19 auf agile Methoden.
Ein agiles Unternehmenssystem kann Unternehmen dabei helfen, die Innovationen zu entwickeln, die sie benötigen, um diese unsicheren Zeiten zu überstehen – und darüber hinaus. Wenn Sie sich nicht an Veränderungen anpassen, wird Ihr Geschäftsbetrieb bei der nächsten drohenden Krise erneut vor große Herausforderungen gestellt werden.
Was wir beobachtet haben, ist eine enorme Fülle an Innovationen und neuen Arbeitsweisen, da sich die Hersteller an die „neue Normalität“ anpassen.
Erkenntnisse aus dem Weltwirtschaftsforum (WEF)
Parsable arbeitet in Zusammenarbeit mit dem WEF am Aufbau der Community „New Generation Manufacturing Leaders “. Unser CEO, Lawrence Whittle, hat einige Gedanken dazu geäußert, wie die Mitgliedsorganisationen diese Herausforderungen kurz- und langfristig angehen:
- Zusammenarbeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette und Förderung der Transparenz zwischen Lieferanten und Kunden – Vor der COVID-19-Pandemie verbrachten Unternehmen viel Zeit damit, Technologien einzuführen und unternehmensweit zu implementieren. Wie aus jüngsten Gesprächen mit WEF-Mitgliedern hervorgeht, haben Unternehmen infolge von COVID-19 begonnen, zügig zu handeln und der Zusammenarbeit zwischen den Teams Priorität einzuräumen.
Eine der Erkenntnisse, die sich aus dem WEF ergeben haben, ist die Notwendigkeit von Transparenz zwischen Lieferanten und Kunden – über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg. Darüber hinaus ist die teamübergreifende Zusammenarbeit aus der Ferne zur neuen Norm geworden. Es ist nicht mehr erforderlich, Mitarbeiter zur Durchführung eines Audits in die Fertigung zu schicken; dieses kann nun mithilfe moderner digitaler Tools aus der Ferne durchgeführt werden, da nicht alle Teammitglieder physisch in der Fertigung anwesend sind.
- Mit einigen Anwendungsfällen beginnen und diese weltweit vorantreiben – Unternehmen aus dem Fertigungsbereich möchten neue Ideen schnell verbreiten. Das Veränderungsmanagement im industriellen Umfeld war für viele Unternehmen bisher stets ein anspruchsvoller und langwieriger Prozess. Da diese Organisationen recht groß sind und weltweit vertreten sind, kann es selbst mit digitaler Technologie und der Bereitschaft zur Zusammenarbeit schwierig sein, Veränderungen unternehmensweit voranzutreiben.
Hersteller wünschen sich Technologien, die sie schnell testen, einsetzen und aus denen sie lernen können. Ein wesentlicher Aspekt dabei ist, einen Anwendungsfall zu finden – sei es im Bereich Sicherheit, Qualität oder Effizienz – und diesen dann standortübergreifend weltweit umzusetzen.
Verlagerung der Digitalisierungs- und Technologieinitiativen aufgrund von COVID-19
Vielen zufolge sind die Gesamtinvestitionen rückläufig und die Investitionsausgaben (CAPEX) auf dem niedrigsten Stand seit 2009. Dies gilt jedoch in vielen Fällen nicht für die digitale Transformation. Und da die Wirtschaft zu kämpfen hat und die Ressourcen begrenzt sind, ist es für Hersteller dringend erforderlich, strategisch vorzugehen. Viele Unternehmen halten ihre Ausgaben für digitale Technologien aufrecht oder steigern sie sogar. Dies liegt daran, dass es grundlegende Anforderungen gibt, die nur mit digitalen Werkzeugen erfüllt werden können. Um Satya Nadella, den CEO von Microsoft, zu zitieren: „Wir haben in zwei Monaten so viel digitale Transformation erlebt wie sonst in zwei Jahren.“ Unternehmen müssen sich auf den ROI und jene Arten digitaler Innovationen konzentrieren, die einen echten Mehrwert schaffen.
Auch wenn das Veränderungsmanagement für viele Unternehmen eine mühsame Aufgabe sein kann, hat COVID-19 als Katalysator für Veränderungen gewirkt. Technologische Lösungen ermöglichen es Herstellern, angesichts der gestörten Arbeitsbedingungen nicht nur den Betrieb aufrechtzuerhalten, sondern auch die Einhaltung von Vorschriften voranzutreiben.
Anstelle monatlicher Prognosen führen die Teams nun beispielsweise tägliche digitale S&OP-Meetings (Sales and Operations Planning) durch. Zudem dürfen nicht systemrelevante Mitarbeiter nicht mehr vor Ort arbeiten, und das Arbeiten im Homeoffice ist zur neuen Norm geworden. Unternehmen haben ihre Abläufe angepasst, um dieser neuen Arbeitsweise Rechnung zu tragen. Führungskräfte an der Basis und Mitarbeiter der Wartung sind nun damit beauftragt, Prozesse und Anlagen aus der Ferne zu überwachen – was nur dank moderner digitaler Technologie möglich ist. Es war noch nie so wichtig wie heute, Mitarbeitern an der Basis digitale Anweisungen zur Verfügung zu stellen, damit sie ihre Aufgaben präzise und sicher ausführen können.
Sicherheit hat oberste Priorität, doch auch die Sorgfaltspflicht spielt eine wichtige Rolle. Da beispielsweise Behörden Abstandsregeln in der Fertigung vorschreiben, ist es schwieriger – und zugleich wichtiger denn je –, die Einhaltung der Sicherheitsvorschriften nachzuweisen. Hier spielt Technologie eine entscheidende Rolle bei der Durchsetzung und Förderung der Compliance, indem sie sicherstellt, dass die Mitarbeiter an vorderster Front die Abstandsregeln einhalten. Wir haben bei unseren Kunden, die „Connected Worker“-Technologie einsetzen, um die Abstandsregeln in ihren Arbeitsumgebungen durchzusetzen, einige beeindruckende Ergebnisse gesehen.
Welche Bedenken und Prioritäten sind aufgrund von COVID-19 aufgekommen?
Es gibt eine Reihe von Herausforderungen, denen sich Teams im gesamten Fertigungs- und Produktionsbereich bei der Umsetzung von Projekten gegenübersehen.
- Eine gute Krise sollte man nicht ungenutzt lassen – Noch vor ein paar Jahren waren Diskussionen über KI, maschinelles Lernen und Automatisierung vage Ideen, und den Herstellern fehlte ein klares Verständnis dafür, welche Rolle Technologie in der Fertigung spielt. Die Pandemie hat dazu geführt, dass der digitalen Transformation und der Rolle der Technologie dabei erhebliche Aufmerksamkeit zuteilwurde. Zuvor war dies nicht unbedingt eine entscheidende Priorität, doch mittlerweile hat es sich zu einer dringenden Aufgabe entwickelt, die sich in verschiedenen Change-Management-Projekten niederschlägt.
Nun liegt der Fokus darauf, Menschen mit Technologie, Zusammenarbeit und Geschäftsergebnissen zu verbinden. Bei der „neuen Normalität“ geht es darum, wie man reagiert und ob man nachhaltige Wirkung erzielt oder nicht. Eine weitere Krise wird kommen – wie werden Sie sich darauf vorbereiten?
- Nutzen Sie den Vorteil, schnell zu handeln und die Gelegenheit zu ergreifen – Wie bereits erwähnt, kann das Veränderungsmanagement bei großen, etablierten Unternehmen in der Regel Jahre dauern und mit viel Hin und Her zwischen den wichtigsten Entscheidungsträgern verbunden sein. COVID-19 zwingt Hersteller dazu, agil zu sein und Entscheidungen noch schneller zu treffen als bisher – während sie versuchen, die Dringlichkeit optimal zu nutzen. Vermitteln Sie die Erwartung, dass Sie schnell handeln, aber denken Sie daran, dass Sie noch lernen und es zu Rückschlägen kommen wird.
- Einsatz von Geräten in der Produktion – Ein weiteres Thema, das häufig zur Sprache kommt, ist der Einsatz von Geräten in der Produktion. In dieser Zeit hat sich der Bedarf, Mitarbeitern die Ausführung ihrer Arbeit auf mobilen Geräten zu ermöglichen, stark ausgeweitet, während dies vor COVID-19 für manche Unternehmen noch umstritten war. Wir müssen unsere Einstellung gegenüber Geräten in der Produktion ändern; diesen Wandel haben wir insbesondere im Hinblick auf das Thema Sicherheit beobachtet.
Einer unserer Kunden nutzt beispielsweise ein umfangreiches System zur Sicherheitsanalyse anhand von Verhaltensbeobachtungen, bei dem weltweit 44.000 Mitarbeiter jede Woche Verhaltensbeobachtungen durchführen. Es ist nicht effizient, wenn sich die Mitarbeiter in der Fabrik vor einem einzigen Gerät anstellen müssen. Mobile Geräte sind sicher genug und vermeiden den Engpass, dass man sich hinter einem Gerät anstellen muss, um eine einzelne Aufgabe zu erledigen – oder, noch schlimmer, papierbasierte, manuelle Prozesse. Der Wert der Daten liegt nicht nur in der Arbeitserleichterung für die Belegschaft, sondern auch in der Förderung von Sicherheit, Qualität und Produktivität.
COVID-19 hat in allen Fertigungs- und Produktionsunternehmen ein Gefühl der Dringlichkeit für Innovation und Transformation hervorgerufen. Es ist wichtig, agil zu sein und mit dem nötigen Dringlichkeitsbewusstsein zu handeln, ohne dabei die Bedeutung der Rolle des Menschen aus den Augen zu verlieren. Technologien für vernetzte Mitarbeiter sind nicht mehr nur ein nettes Extra, sondern ein absolutes Muss, das Ihre Teams in die Lage versetzt, in diesen sich wandelnden Umgebungen erfolgreich zu sein.











